Geschichte

Geschichte Heretsrieds bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts

 

Das Gebiet des nördlichen Schwabens wurde schon in vorchristlicher Zeit von den Römern besiedelt. Landbau ist jedoch erst mit dem Eindringen der Germanischen Stämme nachweisbar. Neben den Alemannen waren es vor allem die Sueven, die das Land nordöstlich der römischen Siedlung Augusta Vindelicorum, das römische Augsburg, besiedelt haben.

 

Die zunächst freien Bauern gerieten im Frühen Mittelalter unter die Herrschaft der Franken. Sie verloren mit der Einführung des fränkischen Lehenwesens ihre Freizügigkeit. Mit den Franken unter ihrem König Chlodwig kam aber auch das Christentum in den schwäbischen Raum, der nun „Alemannae“ genannt wurde. Damals wurden die ersten Ordenshäuser (Klöster) und Kirchen gegründet. Augsburg wurde zu dieser Zeit (um 600 nach Christus) Bischofssitz. Die Bischöfe von Augsburg wurden im Laufe des Mittelalters zu mächtigen Kirchenfürsten. Ihnen unterstanden weite Teile des Augsburger Umlandes, das sie an Klöster oder an Dienstleute (sogenannte Ministeriale) des Bischofs als Lehen vergaben. Auch fanden sich in der Bischofsstadt zahlreiche Edle, Grafen und Ritter, aus den Geschlechtern des oberdeutschen Raumes ein.

 

Zwei Beispiele für solche Rittergeschlechter;  die ihre Lehen in der Umgebung von Augsburg hatten, waren die Lucelunburger (um deren Besitz sich die Ortschaft Lützelburg entwickelte) und die Donnersberger. Sie sind im Zusammenhang mit der Geschichte Heretsrieds wichtig. Die Donnersberger Grafen waren die Truchsessen und Marschälle des Bischofs von Augsburg. Beides waren wichtige Hofämter im mittelalterlichen Staatswesen. Aus dem Hause der Donnersberger entstammte Ritter Graf Marquard, der um 1150 unweit seiner Burg das Doppelkloster Holzen stiftete.

 

Auch die nahe zu Heretsried gelegene Burg der Mawo (Monburg) gehörte den Donnersbergern noch bis 1437. Ein Marschall Parzival von Donnersberg verkaufte in diesem Jahr seine Holzmark und den Burgstall "gelegen bei Heretßried". 1469 verkauften die Donnersberger zwei Holzmarken und den "Schwayhof", der auch Monburg genannt wurde.

 

Aus dem Geschlecht der Lucelunburger soll der Sage nach Ritter Cuno von Kirchberg entstammt sein. Seine Burg soll eine halbe Stunde östlich von Heretsried auf dem Freiheitsberg (heute Kirchberg genannt), bei der Ortschaft Hausen gestanden haben. Er soll ein Lehensmann der Wittelsbacher gewesen und als solcher wohl auf den Kreuzzug gezogen sein. In seiner Abwesenheit machte sich unter den zurückgelassenen Bewohnern die Sittenlosigkeit bereit. Bei seiner Rückkehr fand der Ritter das abgebrannte Anwesen. Er legte für die Untaten, die in seinem Hause stattfanden, ein Bußgelübde ab und ließ an der Stelle der Burgruine ein Ordenshaus errichten, das ab 1282 nach Salmannshofen verlegt worden ist. Derartige Ritterschaften, die meist nicht lange Bestand hatten, fanden sich etwa auch in Bocksberg, wo die Burgruine noch heute zu sehen ist, oder auf dem Schloßberg zwischen Osterbuch und Asbach.

 

Man muss diese Sage wohl vor ihrem geschichtlichen Hintergrund sehen, um ihren Wahrheitsgehalt bewerten zu können. Ende des 11. Jahrhunderts hatte sich die Zahl der ritterlichen Grundherren laufend vermehrt. Diese Edlen oder auch Ministerialen (etwa die Dienstleute des Hochstifts Augsburg) haben um 1100 begonnen, in ihren kleinen Herrschaften Burgen zu bauen. Sie waren es auch, die die Urbarmachung der bis dahin noch unbesiedelten Waldgebiete vorantrieben. Viele dieser kleinen Herrschaften sind jedoch wieder verschwunden. Einer dieser Edlen könnte also unser Ritter Cuno aus dem Geschlecht der Lucelunburger gewesen sein.

 

Das Aufkommen dieser kleineren Ritterschaften fällt zusammen mit dem Höhepunkt der zweiten großen Rodungsperiode im schwäbischen Raum. Dieser lag im Zeitraum zwischen 1000 und 1300 n. Chr. (Die erste Rodungsperiode hatte ihren Höhepunkt in den Jahrhunderten zwischen 400 bis 600. Typisch für diese Gründungszeit sind Ortsgründungen, die auf ingen- und -heim enden. Ihnen folgen die Hausen- und Hofen-Ortschaften.). Zwischen dem 8. Jahrhundert und etwa 1300 war denn auch die große Zeit der Ried-Orte. Wie die Zeitübersicht der Ortsnamentypen zeigt, sind die meisten Ried-Orte um Jahrtausendwende entstanden. Im Raum Augsburg-Wertingen sind einschließlich Heretsrieds von diesen ehemals 22 Orten noch sechs erhalten.

 

Die Siedler folgten bei der „Eroberung“ der Wälder den Bächen flussaufwärts. Da Heretsried an der Quelle eines Bächleins liegt, kann man daher folgern, dass der Ort zu den jüngeren Ried-Orten zählt. Doch die genauen Anfänge lassen sich nur erahnen.

 

Weltliche und geistliche Herrschaftsträger haben, wie schon gesagt, die Besiedlung der noch freien Gebiete vorangetrieben. Im Falle Heretsrieds kommen vor allem das Hochstift Augsburg oder die Marschälle von Donnersberg als Verantwortliche in Betracht. Der Name Heretsried wird gedeutet als „Rodung des Heribrecht“. Möglicherweise war dieser Heribrecht einer der Rodungsmeister, die im Auftrag des Bischofs oder auch seiner Dienstleute das Land urbar machen ließen. So wird behauptet, dass Heretsried vom später „abgegangenen“, das heißt von den Bewohnern aufgegebenen Ort Hausen und von Monburg aus (das ja den Donnersbergern gehörte) zu einem Dorf ausgerodet wurde.

 

Leider existiert eine Rodungsurkunde, wie sie für Lauterbrunn überliefert ist, nicht mehr. Die alten Schriftquellen des Klosters Holzen (Salbuch) bekunden jedoch, dass Marquard von Donnersberg das Dorf Heretsried dem Kloster geschenkt habe. Ist also jener Marquard von Donnersberg, der schon das Kloster Holzen errichten ließ, auch für die Gründung (Ausrodung) Heretsrieds verantwortlich gewesen? Man kann es nur vermuten. Man müsste daraus folgern, dass Heretsried schon Ende des 12. Jahrhunderts Bestand hatte. Tatsächlich nahm das Kloster Holzen offenbar bereits um 1200 das Patronatsrecht in Heretsried wahr. Dabei ist jedoch nicht geklärt, wo die Kirche des Ortes gestanden hat. Die Geschicke Heretsrieds sind in dieser Zeit nämlich noch verquickt mit denen des Dorfes Hausen.

 

Hausen lag am Fuße des Kirchbergs, auf dem Fußweg von Heretsried nach Lützelburg. Eine bei Grabungen dort gefundene Glocke, sie hängt heute in der Heretsrieder Kirche, und eine Steinplatte mit Inschriften sind wohl die wichtigsten Belege dafür. Der Sage nach lag am Fuße des Kirchbergs der Pfarrhof und auf dieser Anhöhe die Pfarrkirche für beide Orte. Diese Siedlung am Fußweg von Heretsried nach Lützelburg beherbergte außerdem eine Zeit lang ein „Frauenklösterlein“ der Franziskanerinnen, das noch im gleichen Jahrhundert seiner Gründung nach Salmannshofen verlegt wurde (1282).

 

Hausen gehörte wie Heretsried dem Kloster Holzen. In den Urkunden des Klosters werden noch im Jahr 1418 bezüglich der Abgaben beide Orte zusammen genannt: " Heroltzryede vnd ... Hawsen". Die Kirche für den Ort Heretsried stand zu dieser Zeit noch in Hausen. Der Feldbau des Ortes Hausen war - so eine Nachricht aus dem Holzener Salbuch von 1619 - zur Heretsrieder Flur gezogen worden. Die Gründe für den Untergang Hausens bleiben im Dunkel der Geschichte. Vielleicht hat der Verfall der Ritterschaft dies ausgelöst. Wahrscheinlich hat aber vor allem die Verlegung des kleinen Klosters von Hausen nach Salmannshofen die Bewohner bewogen, mehr und mehr ins nahegelegene Heretsried umzusiedeln. Haus- und Flurnamen wie „Hauser-Jackl“ oder „Hauser- Mahd“ belegen zumindest diesen Vorgang. Heretsried ist damals sicherlich um einige Einwohner gewachsen.

 

Was sich sicher über Heretsried sagen lässt, ist die urkundlich bezeugte Schenkung des Dorfes an das Kloster Holzen im Jahr 1242. In diesem Zeitraum setzen auch die Aufzeichnungen der Holzener Klosterchronik ein, die ebenfalls über diese sogenannte „Inkorporation“ berichtet. Der damalige Bischof Siboto von Seefeld (1227- 1247) überließ in Absprache mit dem Domkapitel die Kirchengemeinde samt den damit verbundenen Rechten und Erträgen dem Kloster. Geschehen war dies auf Ersuchen des damaligen Holzener Probstes Werner.

 

Weitere Nachrichten über Heretsried finden sich in der Klosterchronik für die Jahre 1322 und 1340. Zuerst wurde ein Lehensgut in Heretsried, das dem Kloster Weichenberg gehörte, mit Einwilligung des Bischofs Friedrich I. Spät von Feimingen (1309-1331) an das Kloster zum Holz verkauft. 1340 kam dann auch die Vogtei (Schirmherrschaft) im Dorf Heretsried an das Kloster in Holzen. Kaiser Ludwig der Bayer vermachte diese dem Benediktinerinnenkonvent Holzen als Entschädigung für dessen Verluste aus dem Reichskrieg Ludwigs gegen Friedrich den Schönen. Die Klosterchronik beinhaltet von diesem Akt sogar eine Abschrift: Das Gotteshaus „zum Holz“ hat demnach „die Vogtei in dem Dorf zu Herbrechtsried ... mit allem Nutzen, Gilten und Rechten“ erhalten, die vormals Kaiser und Reich inne hatten. In weiteren Urkunden aus den Jahren 1325, 1346, 1414 sind Besitzwechsel und -streitigkeiten um einzelne Güter in Heretsried bzw. (so heißt es in den Urkunden) „Heroltzryede“, „Herprehtzried“ oder „Herbrechtzried“ dokumentiert.

 

Im Jahr 1418 ist Heretsried unter der nachlässigen und verschwenderischen Meisterin Brigitta von Lauterbach „zu Leibrecht“ verkauft worden. Erworben hat es der Augsburger Bürgermeister Sebastian von Jllsung und seine zwei Töchter Susanne und Anna. Der Handel umfasste auch alle Rechte und alles Zubehör (Zehnt, „Kirchensatz“ zu Heretsried und Hausen, Dorfgericht mit Vogtei, Taverne, Schmiede usw.) sowie 10 Holzmarken und brachte dem Kloster 146 Gulden.

 

35 Jahre stand das Dorf damit unter weltlicher Herrschaft bevor es wieder in den Besitz des Klosters gelangte.  Unter klösterlicher Verwaltung verblieb es zum Ende des Alten Reiches im Jahre 1806. Die heute noch vorhandenen Aktenschränke im Kloster Holzen demonstrieren dies augenfällig. Es musste dafür nun aber 300 Gulden bezahlen. Auch in der Zeit des Bauernkrieges hat das Kloster aus Geldnot Teile der Heretsrieder Besitzungen verkauft. Dabei handelte es sich um die „Aspenteile“ und die „Reitmähder“, die 1300 Gulden erbrachten.

 

Im Bauernkrieg scheinen sich die Heretsrieder aber nicht erhoben zu haben. Die Klosterchronik weiß darüber nichts zu berichten. Offenbar war die Klosterherrschaft nicht sehr streng und außerdem die Lage des Dorfes Heretsried abseits des übrigen Klosterbesitzes entsprechend günstig. Nachweislich hat die Grundherrschaft im Raum Wertingen-Augsburg sehr früh "die eigentlichen Herrschaftszüge verloren". Dem Grundherrn, im Fall Heretsrieds dem Kloster Holzen, blieb meist nur das Recht, bestimmte Abgaben zu erheben und die Grundholden ein- und abzusetzen. Die besonders drückenden Formen der Grundherrschaft, z.B. Heiratsbeschränkungen oder Freizügigkeitsverbote, kannte man offenbar nicht. Auch spielte die Leibeigenschaft zumindest ab 1500 „für die Herrschaftsgeschichte eine unbedeutende Rolle“. Hand- oder Frondienste, das sind Arbeiten für den Lehensherrn, haben die Heretsrieder wohl wegen der relativ großen Entfernung zum Kloster kaum leisten müssen. So blieben nur die üblichen Zehntabgaben. Die Bauern Heretsrieds hatten somit im Vergleich zu anderen Gebieten Oberschwabens und des Allgäu wenig Grund zum Aufruhr. Vielmehr bemühte sich das Kloster sehr um das Seelenheil seiner Untertanen.

 

So berichtet die Klosterchronik aus dem Jahr 1538 vom Bau der Kirche in Heretsried. Er war von der Meisterin des Klosters Appolonia Wiedemann veranlasst worden. Das Geld für dieses Bauvorhaben stammt wahrscheinlich aus den oben genannten Grundstücksverkäufen. Unter der Nachfolgerin Maria Langenmantel ist das Gotteshaus in Heretsried vollendet worden.

 

Aus dem Jahr 1566 überliefert die Klosterchronik noch eine Episode über den damaligen Pfarrer des Dorfes Heretsried. Er hatte eine Beschwerde beim Kloster eingereicht, weil er zu gering besoldet werde. Im Vergleich konnte dieses Problem gelöst werden.

 

Der Dreißigjährige Krieg brachte dann großes Unglück über das Dorf im Holzwinkel. Aus dieser Zeit ist der damalige Vogt von Heretsried, ein Abraham Werfer, bekannt. Er verfasste 1632 eine „Relation“ für die Äbtissin Agnes von Neuenegg über den Schaden, den die Schweden bereits im Jahr 1632 angerichtet hatten. In Heretsried seien die Bauern und Lehensleute um all ihre Roß und Küh gekommen. Einzig die Ochsen wurden so geschickt gehütet, dass sie mehrheitlich erhalten blieben. Die Haberäcker sind vor der Plünderung fast alle angebaut worden. Drei Leute, Leonhard Hürle, Leonhard Kiebach und Hans Steppi sen., sind ums Leben gekommen.

 

Der ganze Bericht liefert im Übrigen einen interessanten Einblick in die landwirtschaftliche Produktpallette dieser Zeit. Demnach wurden überwiegend Gerste, Haber und Roggen angebaut und Rinder-, Schaf- und Schweinezucht betrieben. Selbstverständlich dürfte aber auch der Wald (Holz und Holzkohle) zu allen Zeiten eine wichtige Einkommensquelle gewesen sein.

 

Die Klosterchronik berichtet auch vom unermüdlichen Einsatz der Äbtissin Agnes von Neuenegg für die verwüsteten Dörfer. Bis in Regensburg suchte sie Gelder aufzutreiben, um damit die zerstörten Kirchen in Heretsried und Salmannshofen wieder aufbauen zu können. Sie hat sich sogar eine Zeitlang bei ihren Untertanen in Heretsried und Salmannshofen aufgehalten. Bei ihrer Ankunft in Heretsried fand sie dabei nur mehr 6 Untertanen vor, "die mehr tot als lebendig" schienen. In beiden Qrten sorgte Agnes von Neuenegg dafür, dass die heilige Messe wieder abgehalten und so die „Bauernschafft wieder zur Gottesfurcht gezogen“ wurde. Ungefähr seit dieser Zeit (1636) hat man auch begonnen, ein Taufbuch zu führen.

 

Bereits gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde vereinzelter Lese- und Schreibunterricht erteilt. Das erste Schulzimmer befand sich im Anwesen des Söldners Nadler (Hausnr. 11) und diente in späterer Zeit als Scheune, als man sich Mitte des 19. Jahrhunderts zum Neubau eines Schulgebäudes entschlossen hatte.

 

Im Jahr 1722, am 28. Mai, hat Bischof Alexander Sigmund, Pfalzgraf von Neuburg, den Neubau der Pfarrkirche genehmigt und wurde vom Kloster Holzen für eine Summe 1120 Gulden errichtet. Die Initiative hierzu ging von der Äbtissin Maria Anna Scholastika von Franziotti (1721-1723) aus.

 

In den Jahren um 1750 war ein Obrist namens Johann Lambert Kolleffel im Auftrag der Kaiserin Maria Theresia durch die Markgrafschaft Burgau gezogen und hat alle Orte geographisch und topographisch detailgenau beschrieben. Zu Heretsried liefert er eine Karte und eine Beschreibung der Lage des Ortes und seiner Landwirtschaft. Heretsried besaß 46 „Feuerstellen“, also Häuser, eine Kirche, ein Pfarrhaus und ein Wirtshaus. Auch eine Bräustätte ist belegt, die dem Kloster Holzen gehörte. Die Landwirtschaft charakterisiert er folgendermaßen: der Feldbau sei mittelmäßig, der Wiesenwuchs schlecht. Es wird Viehzucht betrieben und viel Stein- und Kernobst angebaut. Ebenfalls ist die Holzwirtschaft (Holzhauung) und die Köhlerei ein wichtiger Erwerbszweig. Die vielen Kohlenbrenner bringen ihre Ware nach Augsburg auf den Markt.

 

In der Zeit der Napoleonischen Kriege hat Heretsried offenbar nicht gelitten. Eine Erzählung aus den Jahren um 1805 berichtet von berittenen französischen Soldaten, die in Gablingen und Achsheim den Leuten Geld abgenommen hatten. Sie sind auf dem Weg vom Peterhof nach Heretsried, erschossen worden, der daraufhin Franzosenweg genannt wurde. Womöglich ist dies eine Erklärung dafür, dass Heretsried in diesen Kriegen keinen Schaden nahm.

 

Am Ende des Alten Reiches, beim Übergang der Klosterherrschaft an Bayern, zählten neben großen Waldungen und zwei Höfen 5 Ortschaften zu den Besitzungen Holzens: das Dorf Holzen, Allmanshofen, Druisheim, Heretsried und Osterbuch. Der Besitz erstreckte sich dort vor allem auf den kleinen und den großen Zehnt und das Patronatsrecht (dies auch in Salmannshofen).

 

Grundlage für die faktische Ortsherrschaft des Klosters Holzen war die Niedergerichtsbarkeit und das damit verbundene niedere Polizeiwesen gewesen. Die reine Grundherrschaft hatte dagegen eine geringe Bedeutung. Jedoch nahm für zahlreiche Heretsrieder Anwesen (3 Höfe, 38 Sölden, 2 Gnadenhäuser und ein Wirtshaus) diese Funktion ebenfalls das Kloster wahr.

 

Über das Kloster Holzen wiederum konnte das Hochstift Augsburg in den ganzen Jahrhunderten vom Mittelalter bis zum Ende des Alten Reiches 1806 die Schirmvogtei über Holzen (wie auch über Oberschönefeld und Fultenbach) behaupten. Diese wurde faktisch zur Landeshoheit ausgebaut. Das Hochstift Augsburg übte damit auch die Steuerhoheit über Heretsried aus. Nur die Hoch- bzw. Blutgerichtsbarkeit (so berichtet auch aus dem Jahr 1750 der Obrist Kolleffel) lag bei der Markgrafschaft Burgau (Vorderösterreich), doch spielte diese für die faktische Herrschaftsausübung eine untergeordnete Rolle. Im 19. Jahrhundert ist diese dann von Bayern übernommen worden. In Heretsried gab es in dieser Zeit (1818) 45 Wohngebäude. Man zählte 279 Einwohner.